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Mangel an Alternativen

Gestern endete meine vierte Therapiewoche in der Tagesklinik – und bald möglicherweise auch gleich die ganze Therapie ☹️

Nun ist es nicht gerade so als ob mich das wundert, schließlich bin ich selbst der größte Zweifler an diesem Weg, jedoch fehlt es mir weiterhin an Alternativen. Arbeitsfähig und/oder belastbar bin ich zumindest nicht, dies schließt eine Rückkehr an den Arbeitsplatz vorerst aus. Soll ich nun weiter den Hausarzt, den Kardiologen oder den Gastroenterologen nerven, in der Hoffnung irgendwann irgendetwas Behandelbares zu finden?! Dazu schweigt sich der zuständige Stationsarzt achselzuckend aus. Erkennen sie wenigstens einen Ansatz für eine Therapie?! Ebenfalls Achselzucken – mit dem Nachsatz das man einen Patienten wie mich, der das Biopsychosoziale-Modell ablehnt, nicht behandeln könne.

MOMENT! Wer lehnt hier was ab ?!

“Ja, sie haben doch gesagt das Sie die Möglichkeit nicht erklärbarer Beschwerden ablehnen…”

Ääääh, nein?! Ich habe lediglich gesagt das ich in meinem Leben daran gewöhnt bin für alles eine Ursache zu finden, man muss sie nur finden (wollen)! Ich bin nunmal auch kein Mensch der springt weil jemand “Spring!” sagt, erst will ich wissen “Warum?”. Es heisst aber nicht das ich generell die Therapie ablehne, möglicherweise benötige ich einfach nur ein wenig mehr Erläuterungen als der Durchschnittspatient.

“Ja, heisst das jetzt Sie wollen alles widerrufen was Sie in unserem letzten Gespräch gesagt haben?”

Ich möchte vor allem das offensichtliche Kommunikationsproblem zwischen uns beiden klären Herr Doktor, sie scheinen nicht zu verstehen was ich sage.

“Ja, dann machen wir das nächste Woche, an einem Freitag Nachmittag hab’ ich für sowas keine Zeit!”

WTF?!

Die Tagesklinik hat 2 Stationsärzte + Oberarzt, und ich scheine den Griff ins Klo gemacht zu haben.  Ich hatte bereits bei der  ersten Oberarztvisite den Eindruck das man mir allgemein skeptisch gegenübersteht – jetzt bin ich mir langsam sicher, dass dies der Phantasie dieses Stationsarztes zu verdanken ist.

Ich bin gespannt was die nächste Woche bringen wird…

Fragiler Waffenstillstand

Vor kurzem habe ich über meine aktuellen Beschwerden berichtet, und wie aussichtslos mir die Situation teilweise erscheint.
Seit ein paar Tagen hat sich die Situation ein wenig geändert, und darüber möchte ich heute berichten.

Ich sollte vielleicht erwähnen das meine Beschwerden zu einem nicht unerheblichen Teil von meinem Verdauungstrakt ausgehen, vor guten 6 Monaten wurde deshalb auch eine Magenspiegelung durchgeführt. Die Diagnostizierte milde Gastritis und schwere Reflux-Erkrankung passten zwar nicht wirklich zu meinem Beschwerdebild, aber was blieb mir anderes übrig als dies hinzunehmen? Aus den daraus resultierenden diversen Ernährungstips und meinen persönlichen Erfahrungen damit ergab es sich, dass ich – in der Hoffnung auf lange Sicht die Beschwerden abzumildern – vor einigen Monaten begonnen habe nur noch das allernötigste zu essen. Das hatte bedingt funktioniert… zumindest solange ich PPIs (zB Omeprazol) schluckte und möglichst wenig feste Nahrung zu mir nahm konnte ich den Tag einigermassen herumbringen – nicht Beschwerdefrei aber erträglich. Nach einem Versuch die PPIs abzusetzen (der zu unerträglichen Magenschmerzen führte) und der Wiederaufnahme der PPI-Einnahme war die Situation aber leider schlechter zu ertragen als zuvor.

Nachdem ich nun also beschlossen habe, die Taktik zu ändern, und ohne Rücksicht auf Verluste wieder sehr regelmäßig zu essen, sind die andauernden Schmerzen einer anderen Symptomatik gewichen. Nun treten nur sporadisch Schmerzen oder andere Symptome auf, jedoch mit der Folge, daß diese unter Umständen sehr viel mehr Angst machen können. Der Unterschied ist schlichtweg, dass die dauerhaften Schmerzen und Beschwerden etwas sind an das man sich ein wenig gewöhnen kann, die Angst sogar mit entsprechenden Techniken stoppen kann, während diese sich ständig verändernde Symptomatik immer wieder neue Anstrengung erfordert, um jede einzelne Situation zu ertragen.

Wenig überraschend für fachkundige Aussenstehende dürfte sein: Das kenne ich eigentlich bereits! Bevor vor 6 Monaten der ganze Mist um meine Verdauung so richtig los ging, war ich schon einmal an diesem Punkt. Es treten den ganzen Tag über die verschiedensten Beschwerden auf, die mir produktives Arbeiten zwar gänzlich unmöglich machen, aber mir zumindest ausreichend Raum lassen ein einigermassen geordnetes “Leben” zu fristen.

Um zurück zur Überschrift zu kommen… zur Zeit empfinde ich die Situation tatsächlich als einen “fragilen Waffenstillstand”. Wenn ich ausreichend und regelmässig esse treten zumindest keine permanenten Schmerzen auf. Wenn ich es zudem schaffe meinen Verdauungstrakt nicht zu überlasten, halten sich auch die übrigen Beschwerden insoweit in Grenzen, als das ich den Tag einigermassen aktiv (zB mit Wanderungen, Spaziergängen, Ergometertraining oder auch kleineren Büroarbeiten) verbringen kann.

Weiche ich aber auch nur geringfügig davon ab – zB weil sich auf einer Wanderung keine rechte Gelegenheit für ein Mittagessen ergibt, oder aber weil das Frühstück doch etwas zu Opulent ausgefallen ist – kann ich den Tag vergessen. In dem einen Fall kann ich mich vor Schmerzen kaum retten, in dem Anderen halten mich Angst- und Panikzustände den ganzen Tag auf Trab.
Zumindest für letzteres habe ich ein – schon fast vergessenes – Notfallmedikament parat, welches mir heute den Tag gerettet hat. Es ist aber eben auch nur das – ein Notfallmedikament – keine Lösung.

Nächste Woche beginnt ein neuer Diagnosemarathon, vielleicht ergibt sich ja doch mal etwas woran man arbeiten kann.

Schön ist aber dennoch anders…

Ramsau am Dachstein – 870km, 12h, endlich “wieder” da…

Es ist fast ein Jahr her das ich zuletzt (und zum ersten Mal!) in der Ramsau gewesen bin. Zwischenzeitlich gab es bis auf einige wenige Kurzausflüge auch keinen Urlaub. Es mag daher auch dem allgemeinen Erholungsnotstand geschuldet sein, doch mein erster Gedanke bei Ankunft war: “endlich zu Hause.”

Aussicht vom Ennstalerhof in Richtung RössingWie dem auch sei, so fühlt es sich eben gerade an. Viele Menschen die von den Bergen reden schwärmen immer davon wie weit man doch gucken kann… vllt. meinen wir sogar das gleiche jedoch sehe ich es aus einem anderen Blickwinkel ich freue mich eben nicht besonders weit blicken zu können. Denn hier ist die Welt “endlich”… –  es gibt klare Konturen die mir sehr genau aufzeigen wo die Grenzen meiner jetzigen Realität liegen. Natürlich lassen sich diese immer irgendwie überwinden, doch nicht ganz so einfach.

Und so gefällt mir eben dieses Gefühl eines klar umrissenen Areals. Mein Alltag liegt weit hinter einer 2000m hohen Felswand versteckt – unerreichbar für mich und auch ich bin unerreichbar für ihn.

Die Anreise war leider mit vielen kleinen Staus und Verzögerungen garniert so das wir geschlagene 12h von Haus zu Haus benötigt haben… nun gut ein paar Pausen haben wir auch gemacht 😉 Ein wenig Trost verschaffte das Leid der Anderen… in Richtung Norden waren die Staus noch länger sowie zahlreicher!

Wir übernachten wieder in unserem letztjährigen Quartier – Ennstaler Hof – nicht ganz billig aber dafür in angenehmer Lage, mit tollen Zimmern und es gibt jeden Abend ein Menü… vom Feinsten!

Erschreckend fand heute ich ein Interview mit der Bergrettung Salzburg bei Ö3 – demnach gestern ein britischer Tourist (in T-Shirt und kurzer Hose!) gerade noch rechtzeitig aus 3.100m Höhe gerettet werden konnte. So viel Unvernunft gehört bestraft.

Das Wetter für die nächsten Tage ist als eher durchwachsen angekündigt…  nicht das ich vor habe so weit hinauf zu steigen wie der Irre oben, jedoch ist eine Tour auf ca. 2.100m geplant die ich ungern auslassen würde – lassen wir uns überraschen was möglich wird.

Und jetzt gehts ab ins Bett 🙂

Eine Woche in Pune, Maharashtra, Indien

Aus beruflichen Gründen habe ich vorkurzem eine Woche in Pune verbracht. Eine interessante Reise die Neugierde auf mehr geweckt hat!

Pune – teilweise auch noch Poona(h) genannt, obwohl man sich von dieser schreibweise und Aussprache des Namens bewusst getrennt hat – liegt im indischen Bundesstaat Maharashtra, südöstlich von Mumbai (Bombay).

Man möge mir verzeihen wenn ich im folgenden von “Indern” und “indischen” Dingen schreibe und eigentlich die wenigen Menschen und Dinge meine die ich hier kennenlernen und/IMG_1396oder beobachten konnte. Wer aufmerksam durch Pune “geht” merkt sofort das es sich um einen Hexenkessel der Kulturen handelt und Verallgemeinerungen keinerlei Gültigkeit besitzen.

Die Stadt ist eine Boomtown, viele internationale Unternehmen bauen hier indische Dependancen auf, einerseits um den Zugang zum asiatischen Markt auszuweiten aber nicht zuletzt auch um hier preisgünstig gutes Personal einsetzen zu können (Outsourcing ist das Stichwort).
Der Boom wird begünstigt durch verhältnismässig angenehme klimatische Verhältnisse, eine gute Erreichbarkeit (auf allen Ebenen), die Nähe zu Mumbai und vor allen Dingen: Platz! Pune kann im Gegensatz zu Städten wie Dehli und Mumbai (noch) wachsen, und tut es unaufhörlich.
Die Statisktiken benennen für 2012 eine Einwohnerzahl von 5.5 Mio., reell sind es heute eher um die 8 Mio. Einwohner. Überall wird gebaut, Firmenkomplexe, Industrieparks und Wohngebiete werden aus dem Boden gestampft. Der Verkehr ist mörderisch, die Tageszeitung berichtet täglich über mehrere Verkehrstote (vor allem Fussgänger), und doch: verglichen mit Dehli geht es hier wohl noch beschaulich zu (behaupten die indischen Kollegen).

Als Europäer – oder besser: als Deutscher – wurde ich mit diversen Vorurteilen auf die Reise geschickt: “Ach herrje, Indien?!”, “Pass bloss mit dem Essen auf, teils sehr unhygienisch und IMMER sehr scharf!”, “Indien stinkt!”, “Geh bloss nicht alleine auf die Strasse!”, “Halt’ dich von Frauen fern, die schreien sofort ‘Vergewaltigung’!”, “Da stehen überall Kühe auf der Strasse!” um nur einige zu nennen. Auch Kollegen indischer Herkunft haben mich vor einigen Dingen “gewarnt”.

Bestätigt hat sich keines dieser Vorurteile, zumindest nicht für mich – in der kurzen Zeit die ich da war und in dieser Stadt.

Eröffnen wir mal kurz das Schubladendenken, dann habe ich 3 Kategorien von “Indien” gesehen: das Leben auf/an der Strasse, das Leben der “gebildeten Mittel-/Oberschicht” und “Europa”. Ich will und kann nicht jede dieser Schubladen ausschmücken denn sie sind als solche falsch und sie vermischen sich untereinander. Aber ich denke dies veranschaulicht ganz gut, dass man von bitterer Armut bis hin zum luxuriösen Leben, von tief verwurzelten Traditionen bis hin zu “ach so erstrebenswerter” westlicher Lebensweise alles finden kann.

IMG_1398Zum Zeitpunkt meiner Reise bereiteten sich die Menschen in Pune auf Diwali vor, sehr vereinfacht gesagt: eine Art indisches Weihnachtsfest. Für den Aussenstehenden fallen zu allererst die vermehrt getragene traditionelle Kleidung und die prachtvoll geschmückten Wohnugen, Büros usw. auf. Da es sich um ein religiöses (hinduistisches) Fest handelt – das ich hier in seiner epischen breite nicht schildern kann – kommen auch diverse Symbole zum Einsatz.
Augenfällig werden dem deutschen Besucher sofort: Hakenkreuze! Die Verwendng des Hakenkreuzes durch das NS-Regime und irgendwelche fadenscheinigen Rechtfertigungen und Verharmlosungen für die heutige Verwendung durch politische Gruppierungen will ich hier gar nicht ansprechen, aber durchaus das auch in Indien vorhandene Bewusstsein für derlei Verwendungen.
Beim Anblick der Symbole flogen mir fast panische (und in meinen Augen nicht notwendige) Rechtfertigungen der Verwendung dieser Symbole entgegen. Am häufigsten wurde mir – als Europäer erkannt – sofort gesagt: Die Nazis haben “das andere Hakenkreuz” benutzt.
Das ist schlichtweg falsch, ich habe zu Diwali beide Symbole gesehen. Natürlich ist ihr Anblick für mich ungewohnt und irritierend, aber ich erkenne doch den vollkommen anderen Kontext ihrer Verwendung.
Das Farbenspektakel zu Diwali war grandios, wenn auch sehr kurzlebig da sich die vielen Farben innerhalb kürzester Zeit zu einem einheitlichen Grau vermischten… ich muss allerdings zugeben das ich mir alles nur aus sicherer Entfernung angesehen habe 😉

Erchreckend fand ich vor allem den Verkehr in Pune. Es ist leicht zu verstehen das die hiesige Infrastruktur schlicht nicht mehr mit der wachsenden Anzahl der Einwohner (und somit Fahrzeuge) Schritt halten kann.
Weniger leicht fällt mir Verständnis aufzubringen für die Art des Umgangs untereinander. Fussgänger und Radfahrer sind inIMG_1392 ständiger Lebensgefahr, Bürgersteige existieren entweder garnicht, dienen als Wohnstätten oder sind aus anderen Gründen nicht nutzbar.
Vor allem Bus und LKW Farhrer bremsen schlicht nicht für schwächere Verkehrsteilnehmer, wer erfasst oder gestreift wird hat halt Pech gehabt… nicht das es nicht strafbar wäre einen Menschen zu überfahren, aber wer will den Täter schon finden. Auch PKW und Motorradfahrer sind nicht besonders rücksichtsvoll, haben jedoch ein wenig mehr respekt – mutmasslich um das eigene Fahrzeug zu schonen.
Interessant wird es immer dann wenn die Traffic Police an einer Kreuzung auftaucht… der Vekehr kommt zwar buchstäblich zum Erliegen, aber plötzlich kennen alle die Regeln!

Meine Woche in Pune war interessant und voller Überraschungen, und so flog ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. Ich hoffe sehr bald wieder kommen zu dürfen!

Die Zeit heilt alle Wunden ?!

Gerade lese ich in der FB Timeline einen Beitrag:

Die Zeit heilt keine Wunden… man gewöhnt sich nur an den Schmerz!

Mein erster Gedanke: Da ist was dran!

Aber dann ging es los… kann das sein? Darf das sein? Nein!

Ich akzeptiere das es Menschen gibt die so denken, die nicht zulassen das ihre Wunden heilen, aber ich halte es für einen fatalen Fehler.
Jeder Schmerz / jede Wunde braucht ihre Zeit und diese kann durchaus sehr lang sein, aber das Ziel kann nur sein den Schmerz zu überwinden und die Wunden zu verschließen.

Das Problem ist hausgemacht, denn die Heilung verhindern wir selbst. Üblicherweise durch unangemessene Schuldgefühle, hervorgerufen durch die falschen Antworten auf Fragen wie:

  • darf ich mich wieder amüsieren ?
  • darf ich (mich) wieder (ver-)lieben ?
  • darf ich vergessen ?

Die falschen Antworten geben wir uns selbst, oft aus Angst vor den Reaktionen anderer. Sich zu freuen ist eine Wohltat, jemand neues oder sich selbst zu lieben macht bisher (und gerne auch weiterhin) empfundene Liebe nicht zu Nichte! Schlimmes zu Vergessen und die Erinnerung an schönes verblassen zu lassen sind eine Notwendigkeit um selbst weiter zu leben!

Würdet Ihr wollen das Eure Hinterbliebenen ewig Schmerz verspüren?
Nur weil Ihr nicht mehr da seid ?