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Eine Woche in Pune, Maharashtra, Indien

Aus beruflichen Gründen habe ich vorkurzem eine Woche in Pune verbracht. Eine interessante Reise die Neugierde auf mehr geweckt hat!

Pune – teilweise auch noch Poona(h) genannt, obwohl man sich von dieser schreibweise und Aussprache des Namens bewusst getrennt hat – liegt im indischen Bundesstaat Maharashtra, südöstlich von Mumbai (Bombay).

Man möge mir verzeihen wenn ich im folgenden von “Indern” und “indischen” Dingen schreibe und eigentlich die wenigen Menschen und Dinge meine die ich hier kennenlernen und/IMG_1396oder beobachten konnte. Wer aufmerksam durch Pune “geht” merkt sofort das es sich um einen Hexenkessel der Kulturen handelt und Verallgemeinerungen keinerlei Gültigkeit besitzen.

Die Stadt ist eine Boomtown, viele internationale Unternehmen bauen hier indische Dependancen auf, einerseits um den Zugang zum asiatischen Markt auszuweiten aber nicht zuletzt auch um hier preisgünstig gutes Personal einsetzen zu können (Outsourcing ist das Stichwort).
Der Boom wird begünstigt durch verhältnismässig angenehme klimatische Verhältnisse, eine gute Erreichbarkeit (auf allen Ebenen), die Nähe zu Mumbai und vor allen Dingen: Platz! Pune kann im Gegensatz zu Städten wie Dehli und Mumbai (noch) wachsen, und tut es unaufhörlich.
Die Statisktiken benennen für 2012 eine Einwohnerzahl von 5.5 Mio., reell sind es heute eher um die 8 Mio. Einwohner. Überall wird gebaut, Firmenkomplexe, Industrieparks und Wohngebiete werden aus dem Boden gestampft. Der Verkehr ist mörderisch, die Tageszeitung berichtet täglich über mehrere Verkehrstote (vor allem Fussgänger), und doch: verglichen mit Dehli geht es hier wohl noch beschaulich zu (behaupten die indischen Kollegen).

Als Europäer – oder besser: als Deutscher – wurde ich mit diversen Vorurteilen auf die Reise geschickt: “Ach herrje, Indien?!”, “Pass bloss mit dem Essen auf, teils sehr unhygienisch und IMMER sehr scharf!”, “Indien stinkt!”, “Geh bloss nicht alleine auf die Strasse!”, “Halt’ dich von Frauen fern, die schreien sofort ‘Vergewaltigung’!”, “Da stehen überall Kühe auf der Strasse!” um nur einige zu nennen. Auch Kollegen indischer Herkunft haben mich vor einigen Dingen “gewarnt”.

Bestätigt hat sich keines dieser Vorurteile, zumindest nicht für mich – in der kurzen Zeit die ich da war und in dieser Stadt.

Eröffnen wir mal kurz das Schubladendenken, dann habe ich 3 Kategorien von “Indien” gesehen: das Leben auf/an der Strasse, das Leben der “gebildeten Mittel-/Oberschicht” und “Europa”. Ich will und kann nicht jede dieser Schubladen ausschmücken denn sie sind als solche falsch und sie vermischen sich untereinander. Aber ich denke dies veranschaulicht ganz gut, dass man von bitterer Armut bis hin zum luxuriösen Leben, von tief verwurzelten Traditionen bis hin zu “ach so erstrebenswerter” westlicher Lebensweise alles finden kann.

IMG_1398Zum Zeitpunkt meiner Reise bereiteten sich die Menschen in Pune auf Diwali vor, sehr vereinfacht gesagt: eine Art indisches Weihnachtsfest. Für den Aussenstehenden fallen zu allererst die vermehrt getragene traditionelle Kleidung und die prachtvoll geschmückten Wohnugen, Büros usw. auf. Da es sich um ein religiöses (hinduistisches) Fest handelt – das ich hier in seiner epischen breite nicht schildern kann – kommen auch diverse Symbole zum Einsatz.
Augenfällig werden dem deutschen Besucher sofort: Hakenkreuze! Die Verwendng des Hakenkreuzes durch das NS-Regime und irgendwelche fadenscheinigen Rechtfertigungen und Verharmlosungen für die heutige Verwendung durch politische Gruppierungen will ich hier gar nicht ansprechen, aber durchaus das auch in Indien vorhandene Bewusstsein für derlei Verwendungen.
Beim Anblick der Symbole flogen mir fast panische (und in meinen Augen nicht notwendige) Rechtfertigungen der Verwendung dieser Symbole entgegen. Am häufigsten wurde mir – als Europäer erkannt – sofort gesagt: Die Nazis haben “das andere Hakenkreuz” benutzt.
Das ist schlichtweg falsch, ich habe zu Diwali beide Symbole gesehen. Natürlich ist ihr Anblick für mich ungewohnt und irritierend, aber ich erkenne doch den vollkommen anderen Kontext ihrer Verwendung.
Das Farbenspektakel zu Diwali war grandios, wenn auch sehr kurzlebig da sich die vielen Farben innerhalb kürzester Zeit zu einem einheitlichen Grau vermischten… ich muss allerdings zugeben das ich mir alles nur aus sicherer Entfernung angesehen habe 😉

Erchreckend fand ich vor allem den Verkehr in Pune. Es ist leicht zu verstehen das die hiesige Infrastruktur schlicht nicht mehr mit der wachsenden Anzahl der Einwohner (und somit Fahrzeuge) Schritt halten kann.
Weniger leicht fällt mir Verständnis aufzubringen für die Art des Umgangs untereinander. Fussgänger und Radfahrer sind inIMG_1392 ständiger Lebensgefahr, Bürgersteige existieren entweder garnicht, dienen als Wohnstätten oder sind aus anderen Gründen nicht nutzbar.
Vor allem Bus und LKW Farhrer bremsen schlicht nicht für schwächere Verkehrsteilnehmer, wer erfasst oder gestreift wird hat halt Pech gehabt… nicht das es nicht strafbar wäre einen Menschen zu überfahren, aber wer will den Täter schon finden. Auch PKW und Motorradfahrer sind nicht besonders rücksichtsvoll, haben jedoch ein wenig mehr respekt – mutmasslich um das eigene Fahrzeug zu schonen.
Interessant wird es immer dann wenn die Traffic Police an einer Kreuzung auftaucht… der Vekehr kommt zwar buchstäblich zum Erliegen, aber plötzlich kennen alle die Regeln!

Meine Woche in Pune war interessant und voller Überraschungen, und so flog ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. Ich hoffe sehr bald wieder kommen zu dürfen!

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